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Samstag, 11. März 2017

Humorlose Grabenkämpfe - Klinikclowns im Clinch

Lachen oder weinen?

Ich bin Clown mit Leib und Seele. Seit vielen Jahren spende ich als Clownine Kunst mit meiner Gabe kranken Kindern Spaß und Freude - in meiner Freizeit - als ehrenamtlicher Klinikclown. Doch Gemeinnützigkeit ist für einige Vereine mehr als nur Berufung. Die Ehrenhaftigkeit des Ehrenamts wird von anderen Aktiven misstrauisch beäugt, konspirativ unterwandert und in Frage gestellt. Der eine Klinikclown-Verein könnte ja dem anderen die Butter vom Brot nehmen oder mehr Aufmerksamkeit erhalten, als er "verdient". Konkurrenz im Ehrenamt? Ein ätzender Albtraum! 




Hobby-Krieg der Clowns?


Mail-Kopie - linker Nebenartikel
Am 15.02.2017 erschien ein sehr schöner Artikel mit Foto über die Arbeit der "Leipziger Klinikclowns - die Sonntagsclowns" in der LVZ, Regionalausgabe Wurzen. Ein Presse-Team begleitete einige Tage zuvor meinen Clownskollegen Theo und mich bei unseren Auftritten an den Krankenbetten in der Kinderstation der Klinik Wurzen. Neben dem Hauptartikel platzierte die LVZ-Redakteurin Tatjana Kulpa linksspaltig einen kurzen Einleitungstext, der NUR in der regionalen Druckausgabe (und nicht im Netz!) zu lesen war. In diesen Zeilen geht es allgemein um die Klinikclown-Arbeit und dass sich Stiftungen wie "Humor hilft Heilen" sowie ein Dachverband deutschlandweit um die Belange einiger Klinikclown-Vereine kümmern. Soweit korrekt.

Vorgestern Abend, also einen knappen Monat später, erhielten wir Leipziger Klinikclowns vom Vorsitzenden eines anderen Clownsvereins eine seltsame Mail. Darin stand sinngemäß: Unser Verein würde andauernd mit ihrem verwechselt, in der Presse würden Fake-News stehen und ihnen zustehende private Spendengelder kämen fälschlicherweise bei uns an. Wir sollen dafür sorgen, dass das künftig nicht mehr vorkommt. Obendrein hätte sich die Hirschausen-Stiftung (weswegen?!) bereits einen Tag nach Veröffentlichung bei ihm über den Zeitungskommentar des Provinzblättchens beschwert (hierzu schickte er die nebenstehende Kopie). Sämtliche Behauptungen stellten sich als unwahr heraus. Der automatische Schlagwort-Finder Google-Alert sichtet nur Artikel, die tatsächlich online sind! Zudem wurde das Spendenvolumen unseres Klinikclown-Vereins erst kürzlich auf der Hauptversammlung akribisch dokumentiert. Da kam nix falsch!


PDF der gesamten Seite - von der LVZ nach dem Druck zur Verfügung gestellt
Für eine Summe, die eine aus Stiftungsgeldern geförderte Minijob-Bürohilfe kosten würde, absolvieren unsere sieben aktiven Mitglieder fast die gesamte Klinikclownarbeit eines Jahres - inklusive Verwaltungs-, Material- und Fahrtkosten! Also WAS veranlasst Menschen, die für eine gemeinsame Sache zum Wohle anderer Menschen tätig sind, zu solch kuriosen Aktionen? Mit welchem Ziel?! Unsere ehrenamtliche Clownsarbeit in der "Provinz" will dieser andere Verein doch gar nicht machen. Die Medienpräsenz allerdings wäre schon angenehm. Waren wir einmal zu viel in der Zeitung, spricht der Neid oder gibt es andere Gründe? Mitglieder einiger anderer Vereine agieren nicht in ihrer Freizeit, sondern hauptamtlich, was völlig in Ordnung ist, wenn es funktioniert. Als Vollzeit-Künstler fühlt man sich aber offenbar den ehrenamtlich agierenden "Kollegen" überlegen. Und das ist nicht lustig!


Wer mit dem Inhalt oder der Formulierung eines Zeitungsartikels/einer Pressemeldung nicht einverstanden ist, muss sich an die verantwortliche Redaktion und den Verfasser wenden. Eigentlich gibt es keinen Grund für eine Richtigstellung. Dennoch hier im Klartext: Die "Leipziger Klinikclowns - die Sonntagsclowns n.e.V." bekommen als gemeinnütziger Verein keinerlei finanzielle Unterstützung von der Stiftung "Humor hilft heilen", sind nicht Mitglied des Vereins "Dachverband für Medizin und Pflege in Deutschland e.V." (hier sind 15 deutsche Klinikclownvereine gelistet) und haben auch in der Vergangenheit aus dieser Richtung nie etwas erhalten. 


 

Die Klinikclowns kommen


Ich habe einen gesamten Arbeitstag mit Recherche und Problemfindung vertrödelt und habe es echt satt! In Deutschland gibt es zum Glück die Pressefreiheit, eine Zensur findet (noch) nicht statt. Auch wenn es nicht jedem gefällt - Formulierungen und Inhalte von redaktionellen Pressemeldungen kann man selbst als Beteiligter nicht beeinflussen. Es sei denn, man schreibt den Bericht eigenhändig. Im letzten Jahr wurde auf einem unabhängigen Nachrichtenportal dieser Artikel aus meiner Tastatur veröffentlicht, der die ambitionierte Arbeit der Leipziger Klinikclowns detailliert und sachlich fundiert beleuchtet:

Klinikclowns, Clownsdoktoren, Spaßtherapeuten - in jeder größeren Stadt besuchen Klinikclowns meist ehrenamtlich kranke Kinder und Senioren in Kliniken, Pflege- oder Palliativstationen und sorgen für strahlende Augen und glückliche Menschen. Einer davon,  die Leipziger Klinikclowns, existiert seit über 15 Jahren (in der Nachfolge-Besetzung seit 6 Jahren). Damit gehört der Leipziger Klinikclown-Verein um Vereinsvorstand Gerald Ruppert und die Gründungsmitglieder Erika Rüde(✝) und Claudia Göpel zu den ältesten gemeinnützigen Organisationen im Bereich der Clownspflege in Deutschland ...

Hier geht der Artikel weiter: Rote Nasen in Aktion - die Klinikclowns kommen  


Dabei könnte alles so einfach sein. Andere Länder machen es vor! Wenn Staat, Krankenkassen und Kliniken die Arbeit der Klinikclowns zumindestens teilweise finanzieren würden, müssten die Vereine nicht kontinuierlich um Spenden betteln und deshalb anderen Vereinen die Aufmerksamkeit neiden. Weil die Spendenmentalität der Deutschen durch die Wohlfahrtskonzerne aber gezielt gelenkt wird, reichen die Spenden für die aktiven kleinen Vereine seitdem hinten und vorn nicht aus. Deshalb engagieren sich die meisten Klinikclowns ehrenamtlich in ihrer Freizeit, sonst gäbe es nämlich kaum welche - trotz des enormen Bedarfs! :(

150 Euro Gage für einen Klinikclown pro Auftritt in einem Krankenhaus oder Pflegeheim?! Wo hat der Verfasser dieses SpOn-Artikels seine Informationen her? Das wäre ein Traum und ist leider die Ausnahme. Für diese Summe absolviert ein Mitglied unseres Vereins als Sonntagsclown zum Beispiel vier mehrstündige Termine in der Uniklinik Leipzig - da sind die Aufwand- und Fahrtkosten aber schon mit drin! Dann ist es verständlich, dass Vereine, die ihren Gesundheitsclowns solche Summen zahlen wollen, den ehrenamtlichen Klinikclowns jeden Cent und jeden Pressetext missgönnen. Hier steht's geschrieben: Lachen, wenn man eigentlich heulen will

 

 

Offene Türen einrennen?


Eigentlich soll man durch sich öffnende Türen hindurch schreiten, um Neues zu erleben. "Aufgeschlossen sein" lautet der geflügelte Begriff. Was jedoch macht man mit alten Türen, die sich verkanten und nur sehr schwer öffnen lassen? Letzte Nacht habe ich von solch einer Tür geträumt. Mein großer Sohn verbaute eine alte, völlig zerkratze Tür in den Eingangsbereich unserer Wohnung. Die Tür selbst machte einen vertrauten Eindruck. Auf meine Frage, wieso er eine alte und keine neue Haustür verwendet, antworte er: "Ich habe das Türblatt unten abgeschliffen, die Tür passt jetzt perfekt."



Träumt schön!

Traumzauberhafte Grüße, Claudia


Text: Claudia Göpel
Fotos: Pixabay, LVZ, Screenshots


Kommentare:

  1. Peinliches Verhalten derer, die sich im Zeichen der Wohltätigkeit dumm und dämlich verdienen, findet man leider überall. Hier aber dem anderen den Cent nicht zu gönnen und sich über gute Presse zu erregen, zeigt eindeutig die Charakterlosigkeit der Wohlfahrtsindustrie. Als Mensch kann ich da nur Pfui sagen und hoffe, dass die Gönner besagten Vereins da vielleicht einmal tiefer schauen, bevor sie künftig den Geldsack zücken, um Steuern zu sparen. Einer Krähe hackt der anderen kein Auge aus.. ein Mensch, der neidisch auf die gute Arbeit eines anderen ist anscheinend aber schon. Mach weiter so Claudia. Neider zeigen, dass du auf einem guten Weg bist.

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    1. Danke Gabriele,

      Wohlfahrts-Industrie - so treffend!

      Naja, einen ähnlichen Zirkus kennen wir ja aus der Texterszene: Ambitionierten Quereinsteigern wird von den Profis bewusst Unfähigkeit unterstellt, selbst wenn sie erstklassige Leistungen abliefern. "Von der Pike auf gelernt" bedeutet nicht unbedingt, dass man es besser kann als Leute, die sich anderweitig fortgebildet haben.

      Liebe Grüße, Claudia

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  2. Hallo Anonymus,

    ich kann Ihren Kommentar leider nicht freigegen. Ich habe bewusst keine Namen genannt oder Vereine benannt, um niemanden zu diskreditieren. Sie jedoch nennen mehrfach einen Namen, werden persönlich und stellen Behauptungen in den Raum. Wenn Klärungsbedarf besteht, bitte direkt mit mir in Verbindung setzen. Danke.

    Gruß, Claudia

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    1. Ich bin echt versucht, den Kommentar nach den letzten unschönen Ereignissen doch freizugeben. :(

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