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Sonntag, 29. Januar 2017

Vampirtraum - eine uralte Geschichte


Ein neuer Kunde wünscht sich eine erotische Geschichte von mir, die er in einem Erotik-Portal veröffentlichen möchte. Zielgruppe sind Frauen von 20 bis 40 Jahre. Nichts leichter als das, denke ich, und begebe mich in den Tiefen meiner Festplatte auf die Suche nach einer unveröffentlichten Geschichte, die ich ihm für kleines Geld spendieren kann. Ich werde zwar fündig, doch ich bleibe in den Dateien kleben und lese mich fest. So viele tolle Geschichten - an die meisten davon kann ich mich gar nicht mehr erinnern. Eine Vampir-Story aus den Anfängen meiner Autorenlaufbahn wurde noch nie veröffentlicht. Vielleicht ist sie auch gar nicht von mir, ich weiß es nicht mehr. Aber weil es sich irgendwie um einen Traum handelt, passt der Text prima auf diesen Blog. Bitteschön - laut Datei geschrieben im Oktober 2005:




Jenseits der Träume


Ich ging eine dunkle Straße entlang, die von alten Fabrikgebäuden aus roten Backsteinen gesäumt war. Rechts von mir trennte mich ein verrosteter Zaun von einer verlassenen Baustelle. Als ich um die Ecke bog, erblickte ich eine große Blutlache mitten auf der Straße, um die sich mehrere Gestalten versammelt hatten. Instinktiv dachte ich an einem Mord. Sie schienen auf mich gewartet zu haben, denn als sie mich erblickten, winkten sie. Langsam ging ich auf sie zu. Sie reichten mir eine Schale und forderten mich auf davon zu trinken. Das Blut schmeckte süß und metallisch auf meiner Zunge. Ich fühlte mich mit jedem Tropfen stärker und wollte nie wieder etwas anderes trinken. Dann legte mir einer von ihnen einen Umhang um.
„Rianna gehört zu mir - Wir treffen uns heute um 22 Uhr am alten Bahnhof. Dort besprechen wir alles weitere. Du wirst doch auch kommen, Rianna?“
„Ich will auf jeden Fall dabei sein. Ab sofort und für immer.“
Es klang wie ein Schwur und ich meinte es ernst.

Dring… dring… dring… klingelte mein Wecker und ich erwachte aus meinem seltsamen Traum. Bevor die letzten Fetzen sich in Nichts auflösten, hatte ich noch Zeit festzustellen, dass Rianna überhaupt nicht mein Name war. Dann war alles bereits vergessen. Ein ereignisloser Alltag folgte, an den ich mich in seiner Routinemäßigkeit auch nicht mehr wirklich erinnerte. Ich ging ungewohnt zeitig ins Bett.
Dieses Mal erlebte ich eine traumlose Nacht.
Ich rannte, wie jeden Morgen nach einem schnellen Frühstück im Stehen, zur U-Bahn. An der Uni quälte ich mich stundenlang durch Vorlesungen, von denen eine langweiliger war als die andere, und die nie zu enden schienen. Als es endlich fünf Uhr war, verließ ich erleichtert den Hörsaal und machte mich auf den Weg nach Hause. Puh, für heute hatte ich es wieder einmal geschafft! Ich aß ein Stück kalte Pizza vom Vortag, weil die Mikrowelle schon seit Wochen kaputt war und stellte den Teller auf die Spüle, wo sich das schmutzige Geschirr langsam türmte.

Ich setzte mich an meinen Schreibtisch und lernte zwei Stunden konzentriert für eine Prüfung in drei Wochen, dann hatte ich genug, schaltete meinen PC an und wählte mich ins Internet ein.
Ich surfte ziellos durchs Netz auf der Suche nach etwas Interessantem. Schließlich fand ich einen Chatraum, in dem außer mir fünf User angemeldet waren und beschloss dort zu bleiben. Ich loggte mich mit dem von mir benutzten Nick „Angel“ ein. Abwartend starrte ich auf den Bildschirm, ob jemand etwas schrieb, worauf es sich lohnte zu antworten.

`Hallo Rianna´ erschien auf dem Bildschirm. Ich wartete. Jetzt musste sich bestimmt Rianna melden, obwohl Rianna keiner der Nicknames auf der Leiste mit den eingeloggten Usern war. Vermutlich kannten sich die Chatter schon länger und auch mit ihren wirklichen Namen. Nichts geschah.

`Hallo Rianna´ Ein zweites Mal. Wieder keine Antwort. Doch keiner der Chatter hatte den Raum verlassen. Warum wollte sie nicht antworten?

`Hallo Rianna! Warum antwortest du nicht?´ Das hätte mich auch mal interessiert – sonst geschah hier ja wirklich nichts spannendes. Nacheinander verließen vier Personen den Chatraum, so dass ich mit einem User, der sich „Blackbird“ nannte, und der nach Rianna gefragt hatte, allein war. Ich überlegte schon, ob ich jetzt auch gehen oder einfach noch ein bisschen warten sollte, ob sich wieder jemand einloggte, als eine neue Nachricht auf dem Bildschirm erschien.

`Rianna, ich sehe, dass du noch da bist!´ Aber es war doch außer mir gar niemand mehr da! Benutzte Rianna vielleicht so eine Art Geistmodus, dass ich ihren Nick nicht in der Liste sah? Ich wartete. Nichts geschah. Blackbird schien auch zu warten. Schließlich tippte ich meine Botschaft ins Netz.

`Warum kann ich Riannas Nick nicht sehen? Benutzt sie einen Geistmodus?´ 

`Endlich antwortest du mir, Rianna´ schrieb Blackbird prompt zurück. Aber außer meiner Zeile stand da nichts. Vorsichtig hakte ich nach:
`Meinst du etwa mich?´ 

Sofort wieder eine Antwort. Er tippte wohl sehr schnell.
`Natürlich meine ich dich! Warum bist du gestern nicht wie verabredet gekommen?´

 Ich hatte keine Ahnung wovon er redete.
`Sorry Blackbird, aber ich glaube du verwechselst hier irgendetwas. Ich trage den Nick Angel und heiße auch im realen Leben nicht Rianna. Und ich war gestern weder mit dir, noch mit sonst jemandem verabredet, den ich habe warten lassen ´
Gespannt wartete ich auf Blackbirds Reaktion.

`Wir wollten uns gestern treffen, alle sechs. Nur du warst nicht da Rianna! Hast du es denn vergessen?´

War der Kerl begriffsstutzig oder was hatte der für einen Sprung in der Schüssel?! Warum kapierte er nicht endlich, dass ich nicht Rianna war und keine Ahnung hatte wovon er überhaupt faselte. Ich beschloss erst einmal abzuwarten. Vielleicht gab er auf, wenn ich nicht mehr auf ihn einging.

`Warum schweigst du, Rianna? - Um 22 Uhr waren wir am alten Bahnhof verabredet. Es war dir doch so wichtig, auch zu kommen. Ich verstehe das nicht!´ 

Der Typ hatte echt ein Rad ab. Er gab nicht auf! Ich und an den alten Bahnhof gehen? Nachts um zehn? War ich denn lebensmüde? Was da immer für komische Gestalten rum hingen! Niemals!
`Jetzt hör mal zu, du Spinner! Scheiß auf den guten Umgangston im Netz, jetzt rede ich Klartext! Ich hab keine Ahnung, was du wieder für ein kranker Irrer bist, aber hör endlich auf mich hier vollzutexten und von irgendwelchen Verabredungen zu faseln! ICH HEISSE NICHT RIANNA!´ tippte ich demonstrativ in Großbuchstaben. Eigentlich hätte ich einfach den Chatraum verlassen sollen, aber irgendwie fesselte mich der Dialog und ich fand interessant, was geschah.

Blackbirds Antwort folgte prompt.
`Warum tust du mir das an, Rianna? Warum spielst du mit mir, nachdem du gestern schon nicht gekommen bist?! Zwei Stunden habe ich gewartet! Bis Mitternacht.´

Plötzlich traf es mich wie einen Schlag vor den Kopf. Natürlich waren wir verabredet gewesen! „Wir treffen uns heute um 22 Uhr am alten Bahnhof. Dort besprechen wir alles weitere. Du wirst doch auch kommen, Rianna?“ hatte er mich gefragt. Aber halt… das war doch ein Traum gewesen. Nur ein Traum, den ich eigentlich schon vergessen hatte. Langsam wurde mir die Sache unheimlich.
`Woher weißt du von meinem Traum…´ 

`Es war kein Traum - Es war wirklicher als dein Leben als Studentin an der Uni.´
 Woher wusste er, dass ich Studentin war? Hilfe, was passiert hier?!

`Woher? - Mach dir nichts vor, Rianna. Du bist doch jede Nacht zu uns gekommen – du erinnerst dich nur nicht mehr daran und das ist vielleicht gut so.´

`Warum?´

`Weil die normalen Menschen sonst durchdrehen würden, wenn du es ihnen erzählen würdest. Du bist kein Mensch, Rianna. Du wurdest als Vampir geboren und wirst nach deinem Tod ein Kind der Nacht sein. Aber solange du lebst, kannst du dein wahres Ich nur in der Nacht in deinen Träumen berühren. Nur dein Geist lebt sein Vampirdasein in der Dunkelheit.´

`Was erzählst du mir da?´ 

`Hast du dich noch nie gewundert, warum du dich im Dunkeln nicht fürchtest, warum du so gut wie keinen Schlaf brauchst und selten Hunger spürst? Du schläfst nur, um dein wahres Ich zu erfahren, um zu lernen, was du als Mensch darüber lernen kannst. Das Blut, dass du auf deinen Traumreisen trinkst, nährt dich und ich werde dich zu mir holen, denn wir gehören zusammen… ich liebe dich!´

Es klingelte an der Tür. Ich riss mich vom Bildschirm los und öffnete. Davor stand ein junger Mann, der ein geöffnetes Notebook im Arm hielt. Er stellte es am Türrahmen ab, lächelte und umarmte mich. Ich schloss die Augen, fühlte mich geborgen und angenommen. Ich war am Ziel einer Reise, von der ich vor wenigen Minuten noch nicht einmal etwas wusste und war so glücklich in seinen Armen, dass ich nicht einmal spürte, wie seine Zähne meine Halsschlagader öffneten.


Träumt schön!

Traumzauberhafte Grüße, Claudia

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